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OTHERWORLDLY FABULOUS

Kuratorin: Mag. Katrin-Sophie Batz (vormals Dworczak)

Pop Art wie auch Street Art fordern die BetrachterInnen dazu auf, nochmal hinzusehen, sich mit der Materie über die oberflächliche materielle Präsenz hinaus auseinanderzusetzen. Diese Form der vielschichtigen Auseinandersetzung verlangen auch die Werke, der hier ausgestellten KünstlerInnen. Die verschiedenen Backgrounds (Akademie, Graphic Design, Illustration) vermengen sich zu einem bunten Bild an Ästhetik, die ich als Kuratorin als  „otherwordly fabulous“ bezeichne. Diese Diversität an Herangehensweisen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen bedarf es der Geburt einer Betitelung, die Anleihen aus beiden Stilrichtungen nimmt, ergo die Neo Street PopArt.

Wien wird meist mit klassischer Musik, Egon Schiele, Gustav Klimt, Sissi und den Habsburgern in Verbindung gebracht, nun gibt es einen Generationenwechsel, der zur Folge hat, dass Wien nicht nur kosmopolitischer wird, sondern seinen eigenen Stil durch die Kombination aus Contemporary und Klassik hervorbringt.

Die Stadtbilder von New York, Miami, LA, Paris, Berlin und London sind schon lange von einer Street Art Ästhetik geprägt – seit ein paar Jahren ist nun auch Wien auf dem Radar der Street Art KünstlerInnen und Fans aufgetaucht. Unter anderem haben Projekte wie Cash, Cans & Candy, Calle Libre und Initiativen wie Oxymoron diesen KünstlerInnen in Wien eine Plattform geboten, welche Flächen im öffentlichen Raum zur Verfügung stellt und die Stadt somit als lebendigen Knotenpunkt für diese Kunstform noch weiter etabliert. Der eigentliche Wert der Street Art bzw. Murals ist die Aufwertung eines Viertels, die Verschönerung einer Stadt oder das Aufzeigen von sozialen Ungleichheiten oder gesellschaftlichen Missständen – es ist ein Geschenk an die Stadt, das Viertel, die BewohnerInnen und BesucherInnen dieser Stadt. Die Kunstwerke sollen zu einer sozialen, intellektuellen, politischen Auseinandersetzung mit bestimmten Themen führen – und dies mithilfe von ästhetischer Bildsprache.

Viele Street Art KünstlerInnen sind von der Pop Art geprägt worden, damit aufgewachsen.  Beide Kunstrichtungen haben vieles gemeinsam – unter anderem sind sie zugänglich für ein sehr breites Publikum. Pop Art wurde am Beginn genauso kritisch gesehen wie es dem Street Art Genre heute (noch immer)wiederfährt. Pop Art Werke von beispielsweise Warhol, Liechtenstein, Haring oder Basquiat sind heutzutage fast unbezahlbar. Auktionsergebnisse von Street Art Künstlern wie Retna, Shepard Fairey und vielen weiteren erreichen hohe Ergebnisse,

Die Pop Kultur war und ist für beide Kunstformen Projektionsfläche und Inspirationsquelle zugleich. Street Art war der nächste logische Schritt, der auf die Pop Art folgte – beide haben raue, kunstfreie Gegenden in Zonen des Austausches transformiert. Der öffentliche Raum ist das Medium.

Die hier ausgestellten KünstlerInnen, die ich für diese Ausstellung unter Neo Street Pop  Art subsumiere, eint ihre Diversität (nur auf den ersten Blick ein Widerspruch), die Offenheit im Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Medien,eine furchtlose Auseinandersetzung und Kritik der Banalität gesellschaftsrelevanter realpolitischer Themen und das Aufsprengen einer starren Ästhetik.

 

Coco Wasabi

Coco Wasabi präsentierte bereits auf einigen Ausstellungen ihre explosiven Collagen. Dabei gelingt der Künstlerin ein waghalsiger Sprung in die Tiefe, nämlich dort einzudringen, wo alles anfängt, im „Kunstkern“. Geprägt von einer klassischen Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien, gilt es in ihrer Arbeit immer wieder in den Nucleus der Kunstgeschichte einzutauchen und daraus zu schöpfen. Ungeachtet fischt sie ihre Sujets aus allen Kunstepochen und befreit sie aus ihren ursprünglichen Konventionen. Gleichwertig stellt sie gefundenes Material zusammen und schafft somit Konfrontation und Diskurs zugleich.

 

Ben Reyer

Ben Reyer entführt uns in selbstkonstruierte Collagenwelten. Die Bildsprache des Künstlers bietet  unzählige Handlungsstränge auf welche man sich auf unterschiedliche Weise einzulassen kann. In seinen Werken spinnt sich ein dicht verwobenes Netz aus bekannten und unbekannten Gestalten, Epochen, Symbolen und figurativen Elementen, die eingebettet sind in eine kitschig- idyllische anmutende Kulisse. Durch den Collageeffekt entsteht eine Verfremdung. Die Themen Sexualität, Gewalt, Krieg, und Religion, die unsere menschliche Existenz seit Jahrtausenden bestimmen, definieren und bedrohen, erscheinen in Ben Reyers Werken grotesk. Auf kluge Art und Weise bedient er sich dieser absurden Verfremdung um einen oft auch humorvollen Kommentar zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen abzugeben.

 

Paul Riedmüller

Paul Riedmüller (auch als PERKUP bekannt) macht neben den Malereien auf physischem Papier viel mit digitalen Techniken. Die Impulse, die von den verschiedenen Zugängen ausgehen gehen eine produktive Wechselwirkung ein. Welche Technik und welches Medium der Künstler für ein Werk verwendet, hängt davon ab, welchen Stil er erreichen will. Riedmüller verwendet Leinwände, altes Papier, gefundene Objekte in seinen Arbeiten, die sich auch oft als Murals manifestieren.

 

BOICUT & Z

Das Künstlerkollektiv BOICUT & Z sind privat wie auch am künstlerischen Parkett unzertrennlich. Boicuts Einflüsse sind in der LOWBROW & STREET/URBAN ART zu verorten. Lowbrow Kunst entstand in den 1970er Jahren in Kalifornien in einer von Punkmusik, Comics und vom Underground geprägten Subkultur und wird oft als Pop Surrealismus verstanden. Lowbrow bietet meist eine Mischung aus Humor und Sarkasmus. Boicut kommt aus einem dem Bereich der Illustration und des Graphic Designs. Er kombiniert eine impulsive Linienführung mit abstrakten narrativen Elementen, die sich in einer pastelfarbenen Welt wiederfinden. Z sieht sich als transdisziplinäre Künstlerin und Designerin, deren Schaffen mehr im nicht kommerziellen Bereich der spekulativen Kommunikation angesiedelt ist. Sie studierte am Goldsmith College in London.

 

Vasilena Gankovska

Vasilena Gankovska verwendet den urbanen Raum als Spielwiese. Die Leinwand fungiert als Manifestation, der Außenraum - vor allem architektonische Strukturen als Inspirationsquelle. Aus dem Atelier, der Galerie in den Außenraum und wieder zurück. Keith Haring und Jean Michel Basquiat sind Beispiele dafür, dass diese Herangehensweise produktiv ist und auf vielen Ebenen funktioniert – Botschaften progressiver transportiert. Ihre Werke manifestieren sich auf Leinwand, Papier, Keramik, Textil, als Murals auf Wänden und als Installationen im öffentlichen Raum.

 

Peter Phobia

Peter Phobia bringt uns mit seinen von der Satire des Alltäglichen geprägten Arbeiten dazu, das Bequeme, das Banale, die Sujets seiner Zeichnungen zu und lässt das Publikum so mit einem unheimlichen Gefühl zurück, das nach Antworten verlangt. Weit davon entfernt, uns von diesem Unbehagen zu befreien, fordern uns seine  Werke zu einem neuen Denkansatz heraus und liefert somit den Ausgangspunkt für ein meditatives Werk, das dem Publikum die Verantwortung überträgt, über exzessives Konsumverhalten und kulturelle Exporte nachzudenken, um so zu einer persönlichen Schlussfolgerung zu gelangen.

 

 

Über die Kuratorin

Mag. Katrin-Sophie Batz (vormals Dworczak), Kuratorin der Ausstellungsreihe und des Muralfestivals Cash, Cans & Candy, arbeitet seit 2006 für die Galerie Ernst Hilger und befindet sich momentan in Karenz. Begonnen hatte sie in der Galerie Siemens_artLab danach wechselte sie die Straßenseite zur Galerie hilger contemporary wo sie die Assistenz der Direktorin und den Bereich Public & Collector Relations innehatte. Seit 2013 bis zu ihrer Karenz 2017 war sie die Direktorin der Räumlichkeiten Hilger NEXT, HilgerBROTKunsthalle und project room@NEXT in Wien 10. Batz war die Co- Organisatorin eines URBAN ART Festivals namens Escape the Golden Cage in 2010. In ihren Reisen für die Galerie entdeckte sie die unterschiedlichsten Ausdrucksformen von Street Art. In den unzähligen Ausstellungen, welche sie für die Galerie organisierte und kuratierte, legte sie immer besonderen Wert auf Kunst im öffentlichen Raum. 2013 brachte sie erstmalig eine Street Art Übersichtsausstellung nach Wien. 50 nationale und internationale KünstlerInnen (unter ihnen Berühmtheiten wie Shepard Fairey, Retna, FAILE, Faith47) wurden in allen drei Räumlichkeiten der Dependance in 1100 Wien gezeigt (das Mutterschiff befindet sich in der Dorotheergasse in 1010 Wien). Die zweite Edition „Bring A Friend!“ legte den Fokus auf das kollektive Arbeiten in der Street Art und die dritte Edition „Look Again!“untersuchte die Entwicklung von der Pop Art zur Street Art vielen Wiener Bezirken sind die Murals (Wandgemälde), die anlässlich der 3 Editionen entstanden sind, permanent zu sehen. Die Kuratorin Katrin-Sophie Batz bietet auf Anfrage auch gerne Führungen an.

Kontakt: katrinsophie@gmail.com